Grundrissplanung

Wenn du nun weisst, wozu du den Camper benützen möchtest und welche Masse dein Fahrzeug hat, kannst du mit der Planung des Grundrisses beginnen. Es ist vielleicht der wichtigste Teil des ganzen Projekts, denn jetzt wird bestimmt wie das Wohnmobil am Ende aussehen soll. Zeichne mehrere Vorschläge und denke gut darüber nach, bevor du eine Auswahl triffst. Viele Dinge an deinem Selbstbau-Wohnmobil können später noch geändert werden, der Grundriss wird jedoch bleiben…

Zur Planung Ihres Grundrisses lohnt es sich, auch in existierende Wohnmobile hineinzuschauen. Bei kommerziellen Campern ist das System immer etwa das gleiche, es hat sich wohl im Laufe der Zeit als am praktischsten erwiesen. Das heisst aber nicht, dass dein Eigenbau-Wohnmobil auch so aussehen muss, ganz im Gegenteil. Zur Illustration habe ich dir hier trotzdem einen Grundriss eines Campers für 3 Personen der Firma Adria abgebildet.

Oben: Camper-Grundriss bei Tag, unten mit Betten für die Nacht. Quelle: Adria

Der Tisch
Wie bei den meisten Wohnmobilen ist der Tisch ganz vorne. Wenn Fahrer- und Beifahrersitze gedreht werden können macht das auch Sinn. Falls du das nicht planen oder eventuell sogar die Trennwand stehen lassen möchtest, kannst du den Tisch platzieren, wo du willst. Wieso nicht ganz zuhinterst? Mit einem Hubtisch-Gestell kannst du die Tischplatte zudem absenken und in der Nacht die Sitzgruppe mit Tisch in ein bequemes Bett verwandeln.

Eine Sitzgruppe mit Hubtisch. Dieser kann abgesenkt werden und bildet mit den restlichen Kissen ein Bett. Quelle: auto.ricardo.ch

 

Das Bad
Ebenfalls aus praktischen Gründen ist bei diesem Adria-Camper das Bad gegenüber der Küche eingeplant. So entsteht ein schmaler Durchgang und der Platz ist am besten ausgenutzt. Vielleicht willst du in deinem Camper gar kein Bad mit Dusche? Dann kannst du diesen Platz anders nutzen, wozu sich wahrscheinlich eine Abänderung dieses Standard-Grundrisses empfiehlt. Das WC kannst du in diesem Fall an einem beliebigen Ort in einer Schublade unterbringen, wenn du überhaupt eines einbauen möchtest. Was bei Eigenbau-Wohnmobilen auch oft gemacht wird, ist eine Dusche im Eingangsbereich. Die Duschwanne dient dabei als Schmutzschleuse, da man das Wohnmobil dann immer durch die Dusche betritt. Auch für die Entlüftung hat diese Variante entscheidende Vorteile. Und der Eingangsbereich, den es sowieso geben muss, wird gerade sinnvoll genutzt. Ich habe mich dann für eine Aussendusche entschieden: Es kann zwar eine Dusche am Wassersystem angeschlossen werden, sogar mit Warmwasser, aber geduscht wird draussen. Das spart auch Kapazität beim Abwassertank.

Das Bett
Für das Bett gibt es viele Möglichkeiten: Ein fest installiertes Bett, eine Sitzgruppe mit absenkbarem Tisch, klappbare Kajütenbette an der Wand, ein Bett an der Decke (ev. mit Hubdach), ein Ausziehsofa, eine Hängematte oder was auch immer. Am bekanntesten ist wohl die Sitzgruppe mit Hubtisch, die in ein Bett verwandelt werden kann. Diese muss dann fast im hinteren Teil gemacht werden, denn vor die Schiebetür kann man keine Sitzbank stellen. Und es erfordert einigen Aufwand, jeden Abend den Tisch in ein Bett umzubauen, was nicht jedermanns Sache ist. Deshalb sieht man in Campern recht häufig fest eingebaute Betten, obwohl das vom Platz her vielleicht nicht so sinnvoll ist. Wird das fest einbebaute Bett jedoch im hinteren Teil eingebaut und etwas erhöht, entsteht darunter ein geräumiger Kofferraum, der von hinten bedient wird. Diese Variante ist nach mehreren Reisen im Camper nun für mich am sinnvollsten, für einen häufig bewohnten Camper würde ich jetzt ein fixes Bett einbauen.

Erhöhtes und fixes Heck-Bett in einem Camper mit Garage darunter. Quelle: seabird

Als etwas exotischere Variante könnte man auch ein Kajütenbett mit zwei bis drei Etagen einbauen. So ist auch bei einem Mercedes Sprinter oder VW Crafter ein fixes Bett möglich, denn bei diesen Fahrzeugen hat ein quer eingebautes Heckbett nicht Platz, oder jedenfalls nicht länger als 1.80m

Idee: Eine Variante mit fixem Kajütenbett. Fahrzeugbreite: 1,78m, Länge 3,20m

 

Extrem schnell gebaut ist der Camper, wenn ein Ausziehsofa verwendet wird. Für die kürzere Variante des Sprinters die innen nur 2.60m lang ist, habe ich mir zuerst diesen Grundriss überlegt. Da das Bett 2m Länge in Anspruch nimmt, bleiben dann hinten noch 60cm Platz für die Küche. Bei dieser Variante muss jedoch zuerst ein passendes Sofa gefunden werden, bei dem man nicht unbedingt auf dem Boden liegt. Es muss auch etwas angepasst werden können, denn hinten bei den Radkästen ist das Fahrzeug schmaler. Auch der Stauraum ist etwas begrenzt, aber mit genügend Hoch- oder Wandschränken kann auch dieses Problem gelöst werden, und man hat einen extrem wendigen, einfachen und schnell gebauten Camper.

Idee: Einfacher Eigenbaucamper mit Ausziehsofa. Fahrzeugbreite: 1,78m, Länge 2,60m

 

Platz für die Technik
Es macht Sinn, sich bereits bei der Grundrissplanung zu überlegen, wo die Technik aber vor allem die Wassertanks untergebracht werden sollen und wie man diese von aussen auffüllen / entleeren wird. Am idealsten werden sie möglichst nahe bei der Küche eingebaut, dann benötigt man weniger Schlauch und das warme Wasser aus dem Boiler ist in der Küche immer noch warm. Ich habe die Tanks direkt unten ins Küchenmöbel eingebaut. Das hat den Vorteil, dass sie direkt durch die offene Hecktür befüllt und entleert werden können. Auch bei einem Problem wären sie leicht zugänglich und ein defektes Stück Schlauch würde schnell bemerkt. Jedoch ist es etwas schade, dass der wertvolle Platz unter der Küche so fast komplett verschwunden ist. Die wichtigsten Utensilien haben zwar in den Dachschränken Platz, aber wenn es der Grundriss zulässt empfehle ich, die Wassertanks unter der Sitzbank zu platzieren. Diese ist weniger leicht zu öffnen als die Küchenschränke und eignet sich deshalb schlechter, um tägliche Dinge unterzubringen. Die Position der Elektrotechnik ist weniger wichtig. Plane sie dort ein, wo es noch Platz hat, am idealsten nahe bei der Zweitbatterie. Und diese platziert man wiederum am besten vorne, also nahe am Alternator des Fahrzeuges, der die Batterie aufladen wird.

Der Grundriss meines Campers in Tag- und Nachtbetrieb. Der Tisch kann gedreht, gesenkt und auseinandergeklappt werden. So konnte ich trotzdem eine Sitzgruppe im Eingangsbereich realisieren.

Am Schluss kannst du die Fenster einplanen wo es Platz hat und Sinn macht. Am besten in der Nähe des Tisches, oder auch bei der Küche, um beim Kochen durchzulüften. Bis du den idealen Grundriss gefunden hast, heisst es zeichnen, verwerfen und nochmals zeichnen. Lass dir Zeit, denn mit einem schlecht überlegten Grundriss hast du später weniger Freude an deinem Wohnmobil. Und überprüfe auch, ob dein Grundriss den Vorgaben des Strassenverkehrsamtes entspricht!

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