Vorgaben Strassenverkehrsamt

Wahrscheinlich wirst du dein neu gebautes Wohnmobil auch als solches im Fahrzeugausweis eintragen lassen. Dadurch wird nämlich die Haftpflichtversicherung massiv günstiger (nicht jedoch die Kaskoversicherungen). Falls nicht, musst du den Lieferwagen trotzdem wegen technischen Änderungen beim Strassenverkehrsamt vorführen. Am besten besprichst du dein Projekt bereits bei der Planung mit den zuständigen Strassenverkehrsamt, damit du sicher sein kannst, dass es bei der Fahrzeugprüfung auch durchkommt.

Die Vorgaben des Strassenverkehrsamtes Bern  für den Umbau eines leichten Motorwagens zu einem Wohnmobil (gemäss telefonischer Auskunft) waren folgende:

Mindestausstattung (2014):

  • Sitzgelegenheit mit Tisch, der Tisch kann auch herausgenommen oder zu einem Bett umfunktioniert werden
  • Schlafplätze
  • Fest eingebaute Kochgelegenheit
  • Stauraum
  • Gültige Gasprüfung bei einer eventuellen Flüssiggasanlage

Die Einrichtungen müssen fest eingebaut sein und es muss ersichtlich sein, dass der Raum für Wohnzwecke dient. Im Prinzip wird dadurch nur sichergestellt, dass kein Versicherungsbetrug begangen werden kann (Einlösung als günstiges Wohnmobil und Verwendung als Lieferwagen).

Weiter müssen die Möbel so eingebaut sein, dass sie fest verankert sind und auch bei einer Vollbremsung oder Unfall niemanden verletzen können. Bei meiner Zulassung wurde überprüft, ob die Einbaumöbel solide sind und sich nicht bewegen lassen.

Es wird auch überprüft, ob das Gesamtgewicht noch eingehalten wird. Das Wohnmobil muss dazu mit vollem Wasser- und Dieseltank vorgeführt werden, damit das neue Leergewicht im Fahrzeugausweis eingetragen werden kann.

Falls du Änderungen an der Karosserie vorgenommen hast (wie zum Beispiel Einbau von Hubdächern, Herausnahme von Trennwänden, durchtrennen von Streben, usw…) muss überprüft werden, ob die Festigkeit der Karosserie noch gegeben ist. Wenn du deine Wohnmobilfenster nur an nichttragenden Verkleidungsblechen einbauen, sollte kein Festigkeitsnachweis erforderlich sein. Die eingebauten Fenster müssen jedoch eine entsprechende Typengenehmigung besitzen und beim Einbau sollte immer die Aufbaurichtlinine der Fahrzeughersteller berücksichtigt werden, z.B. keine tragenden Elemente durchschneiden. Bei meinem Camper wurde bei der MFK nur überprüft, ob keine tragenden Streben durchtrennt und in der Nähe der Sicherheitsgurte keine Änderungen vorgenommen worden waren. Falls weitere Änderungen am Aufbau geplant sind, geben die ASA-Richtlinien Auskunft: https://asa.ch/wp-content/uploads/webshop/richtlinien/w_2a_D

Das ist eigentlich schon alles, sofern im Wohnraum keine zusätzlichen Sitzplätze zugelassen werden sollen. Dann müssen nämlich noch weitere Bestimmungen bezüglich Fluchtwege, Sicherheit und Kommunikation mit dem Fahrer eingehalten werden:

  • Zertifizierung der Sitze und Original-Verankerung
  • Eine akustische Verständigungsmöglichkeit zwischen Fahrer und Mitfahrer muss für den Notfall gegeben sein.
  • Gute Zugänglichkeit der Sitze (gefahrloser Einstieg auf der rechten Seite, Höhe des Einstiegs max. 0.5m über Boden, sonst benötigt es eine Leiter…)
  • Zwei unabhängige Fluchtwege auf verschiedenen Seiten (entweder Türen oder Fenster mit einer Mindestgrösse)
  • Vorgaben bezüglich Fenster für die Passagiere (Anzahl und Zertifizierung)
  • Sicherheit der Insassen (Schranktüren verriegelt, splitterfeste Materialien, keine Kanten im Aufprallbereich, ausreichende Belüftung)
  • Rutschsicherer Fussboden

Weitere Informationen findest du auf Merkblättern, am besten forderst du bei deinem Strassenverkehrsamt eines an. Hier findest du eine Version des TÜV aus Deutschland, diese Regeln werden in der Schweiz ähnlich gültig sein: Infoblatt

Versicherung
Werden massgebende Änderungen am Fahrzeug vorgenommen, ist eine Fahrzeugprüfung und ein Eintrag in den Fahrzeugpapieren obligatorisch. Ein weiterer Grund für die Umschreibung sind aber auch die Versicherungsgebühren! Lieferwagen sind im Verkehr häufiger Unfällen ausgesetzt als Camper oder Wohnmobile. Deshalb kann eine Motorfahrzeugversicherung (Haftpflichtversicherung) für einen Camper bis zu 3-mal günstiger sein als für das gleiche Fahrzeug als Lieferwagen. Am besten fragst du einfach mal bei verschiedenen Versicherungsfirmen eine Offerte an, denn für Camper funktionieren online-Rechner oft nicht.



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